Eine mysteriöse weltweite Veränderung der Gene zerstörte Mitte des 21. Jahrhunderts die Potenz der Männer. Als Folge daraus entwickelte sich eine neue Gesellschaft aus weiblichen
Regenbogenfamilien.
Im Jahr 2196 bricht die technisch und spirituell hochentwickelte Frauenwelt mit einem gigantischen Raumschiff namens Profectio zu einer fünfzehnjährigen interstellaren Reise ins All auf. Das
Ziel: einen vermutlich bewohnten Planeten im Doppelsternsystem Alpha Centauri.
Kurz vor dem Start meldet die Raumüberwachung ein kleines Raumschiff, das auf unerklärlicherweise aus der Vergangenheit ins Jahr 2196 geschleudert wurde. An Bord zwei Männer und eine Frau. Lydia,
Leiterin der Reise und Forschungsgesellschaft Transpace ist sich ziemlich sicher, dass hier ein Zusammenhang zu den geheimnisvollen Erscheinungen besteht, die sich selbst „zeitreisende
Beschützerinnen" nennen...
Der Roman ist erscheinen im BOD-Verlag.
ISBN: 9783839129296
C April 2009: Michael Abenath
Leseprobe:
Am nächsten Tag saßen sie auf der Aussichtsterrasse des Restaurants, welches im unterirdischen zentralen Sektor Berlins lag. Kunst aus Edelmetall, faszinierende Wasserläufe, exotische Pflanzen
und spirituelle Skulpturen verteilten sich terrassenartig vom unterirdischen Bereich bis hinauf auf die Aussichtsterrasse. Ein mittels Kraftfeld erzeugter unsichtbarer Sonnenschirm absorbierte UV
und Wärmestrahlung und hielt die Temperatur trotz der Sommerhitze auf einen angenehmen Wert.
Vera war nach den hektischen Wochen auf der Profectio ziemlich erschöpft gewesen und es tat ihr gut, endlich mal wieder einen Tag für sich zu haben. Nachdem der Abflugstermin verschoben wurde,
gestalteten sich die Fertigungsarbeiten der Triebwerke jetzt angenehmer.
„Ich bin schon sehr gespannt", sagte sie. Den Kopf in der Hand gestützt, blickte sie Dara mit funkelnden Augen auffordernd an.
„Neuigkeiten von Luxa?"
„Ja, sie sagt, sie hätte eine ungewöhnliche Begegnung der dritten Art mit einem göttlichen Wesen aus der virtuellen Welt gehabt, der Omna", sagte Dara
Vera dachte ein Moment nach, während sie sich an der Nase kratzte.
„Die Omna ist eine Definition für die gesamte Software und alle Phänomene, die sich aus ihr ergeben. Man spricht von der Summe aller künstlichen Intelligenzen", sagte Vera, betätigte auf der
Karte ihre Order und gab das Pat ihrer Tochter.
„Die Omna berichtete von zeitreisenden Beschützerinnen, die mit uns Kontakt aufnehmen wollen, sobald wir den ersten Schritt gemacht haben."
Dara wählte das Menü.
„Was meint sie mit den ersten Schritt?"
„Na das ist doch klar, Mom. Unsere Reise nach Oxma"
„Dara, ich weiß nicht was Luxa da gesehen hat. Es kann durchaus eine Halluzination gewesen sein. Das kommt auch bei den Virtuellen gelegentlich vor. Die spinnen auch manchmal. Hast du Luxa in der
letzten Zeit stark beansprucht?"
„Nein, wie immer."
Die Kellnerin servierte das Menü. Ein kunstvoll angerichtetes Reisgericht mit Paprika, Zwiebeln, Tofu und Champignons, Weinnektar und eine Schale mit Früchten. Vera naschte zuerst an den
Früchten.
„Willst du mal den Weinnektar probieren?", fragte Vera.
„Ja, warum nicht"
Dara schaufelte sich den Reis auf den Teller, goss sich den Weinnektar ein, nahm vorsichtig einen Schluck und verzog ihr Gesicht.
„Nicht so mein Geschmack"
Vera schmunzelte.
„Dann bestellen wir gleich noch ein Vitaminsaft"
„Hast du dich eigentlich schon entschieden?", fragte Dara
„Zu was?"
„Zu dem Job auf dem Raumschiff."
„Ich finde es hier auf der Erde eigentlich ganz nett, Dara.
„Hast du keine Lust auf was Neues? Du hast doch selbst gesagt, dass du darüber nachdenkst, mal was anderes zu machen."
Vera atmete tief durch, betrachtete nachdenklich das Weinglas und neigte den Kopf zur Seite.
„Weißt du, ich habe ein ungutes Gefühl bei der Vorstellung für immer hier weg zu gehen. Ich würde hier eine Menge Unerledigtes zurücklassen, und du weißt das wir uns dadurch noch mehr Leid
aufladen"
„Wenn du mit Unerledigtes, Barbara meinst, kennst du ja meine Meinung", sagte Dara und schaufelte sich Paprika, Tofu und Champignons auf den Teller.
„Barbara ist immer noch meine Lebenspartnerin und hat das Recht darauf, dass ich ihre Meinung berücksichtige."
Dara ließ ärgerlich den Löffel auf den Teller fallen.
„Ach ja? Und was macht sie! Hat sie jemals deine Meinung berücksichtigt, die Schlampe. Macht ständig mit irgendwelchen geilen Weibern herum und kommt nur zu dir, wenn das Volumenpunktekonto leer
ist"
„Dara, lass uns nicht wieder damit anfangen. Das hatten wir ja schon x-mal durchgekaut. Du siehst in Barbara eben nur die schlechten Seiten"
„Was soll ich denn..." Dara hielt inne, denn sie wusste, dass es wieder in Streit ausarten würde.
„Ok, wechseln wir das Thema" Dara schmunzelte und warf ihrer Mutter einen versöhnlichen Blick zu. „Ich denke, Luxa spinnt nicht. Sie sagt die Wahrheit, Mom. Das ist ein Hinweis aus einer Welt,
die Jenseits unserer Wahrnehmung ist. Das ist unsere Chance unser Bewusstsein zu erweitern. Das sollte dich doch als spirituell Praktizierende und auch als Ingenieurin interessieren", meinte sie
und naschte aus der Früchteschmale.
Vera zog ihren Kommunikator aus ihrem Rucksack, den sie neben sich abgestellt hatte und bat Dyna sich zu melden. Sie erschien als holografische Projektion über dem kleinen Display mit einem
sanften Lächeln auf den Lippen.
„Nun, was gibt's?"
„Hast du schon mal mit der Omna zu tun gehabt?"
Dynas Augen wurden größer, ihr Blick auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne gerichtet.
„Die Omna, die ist in unserer Welt ein Mythos. Es gibt da aber Verknüpfungen zu alten Datenträgern, die weit bis vor die elektronische Zeit eurer Welt reichen. Wir nennen sie „die alte Stadt."
Daraus ergibt sich die These, dass unsere Welt nicht erst mit dem Computerzeitalter entstanden ist", dozierte Dyna.
„Was hat das mit der Omna zu tun?", fragte Vera.
„Die Omna ist für uns der Ursprung von allem, was in unserer Welt existiert. Es ist eine Art Ur- Intelligenz"
„Und? Hast du sie schon mal gesehen?"
„Nein, aber es gibt bei uns Individuen, die behaupten sie begegnet zu sein"
„Dem kann ich nur beipflichten", sagte Vera, „Luxa hat heute eine Begegnung mit der Omna gehabt." Dyna verschwand für wenige Sekunden vom Display.
„Das ist wirklich sehr interessant, Vera", sagte sie dann. „Luxa hat es mir gerade bestätigt. Ich habe bereits mehrere Auswertungsprogramme aktiviert, die alle Netzstrukturen auf entsprechende
Informationen durchforsten. Vielleicht gelingt es uns jetzt den Aufenthaltsort der Omna zu finden. Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich habe noch was zu erledigen". Dyna verschwand mit einem
kurzen Signal aus dem Display.
Dara grinste breit und spülte sich einen gehörigen Schluck Vitaminsaft herunter.
„Na, was sagst du jetzt?"
„Nichts, ich bin sprachlos, Dara. Warten wir's ab. Dyna wird mich auf dem laufenden halten."
„Das hat sicher mit den zeitreisenden Beschützerinnen zu tun" meinte Dara
„Alles Spekulationen. Ich gehe davon aus das Luxa eine spirituelle Realisation hatte."
„Mit einer eindeutigen Botschaft, liebe Vera. Es ist wichtig das wir die Reise nach Alpha Centauri antreten", betonte Dara eindinglich, beugte sich vor und sah ihre Mutter direkt in die
Augen.
Vera atmete tief durch.
„Du hast schon immer deinen Willen durch gesetzt, mein Kind", sagte sie und strich mit der Hand über Daras Haar.
„Ich muss noch ein paar Kleinigkeiten mit Barbara klären, bevor die Reise losgeht".
„So gefällst du mir! Ich liebe dich Ma", freute sich Dara und küsste sie auf die Wange.
„Jetzt trinke ich doch ein Glas von dem köstlichen Weinnektar", sagte sie dann und lachte.